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"Villa Kult" als langfristige Lebensaufgabe
Renate
Roginas ist cosmopolitische Medienexpertin
Die Familienchronik von Renate Roginas führt bis zu den Hugenotten zurück. Vielleicht war das der Grund, warum Frankreich sie schon immer begeisterte. Sie wollte in dem Land leben und „ eine perfekte Französin werden“ – „ein sehr ambitioniertes Vorhaben mit meinem damaligen Schulfranzösisch“, lacht sie heute rückblickend. Tatsächlich zog die heute 57-Jährige nach ihrem Studium an der Pädagogischen Hochschule Weingarten in das Land ihrer Träume. Literarisch schon immer begabt, schrieb sie Drehbücher. Melodramen, Familiengeschichten, inspiriert von eigenen Erlebnissen. „Dadurch rutschte ich ins Filmfach“, erzählt sie. Renate Roginas hat eine beeindruckende Biografie. So leitete sie von 1980 bis 1999 als Produzentin die internationale Koproduktions-Abteilung von TELFRANCE, eine der führenden Produktionsfirmen Frankreichs. Mehr als 400 Stunden hochwertige Spiel- und Fernsehfilme sowie Dokumentarfilme produzierte sie in dieser Zeit. Viel verdankt sie ihrem Lehrmeister, einem sehr einflussreichen französischen Filmproduzenten, mit dem sie fast zwei Jahrzehnte zusammenarbeitete. „ Sein Name soll privat bleiben“, bittet sie, „es ist heute ein sehr alter Herr, mit dem ich immer noch in Kontakt bin.“ Für ihre Koproduktionen wurde sie 1999 auf dem Filmfest in Monte Carlo mit dem ersten Europäischen Produzentenpreis ausgezeichnet. Einige Filme sind auf dem Markt gar nicht mehr erhältlich, aber in ihrer kleinen persönlichen Videothek in der Villa Kult in Berlin sind alle für die Ewigkeit bewahrt. Bereits seit 1988 ist Renate Roginas Mitglied der European Film Academy. 1991 wurde sie als freie Autorin Mitglied der französischen Autorenverwertungsgesellschaft SACD. Sie engagiert sich auch für die Aus- und Fortbildung von Berufsnachwuchs im audiovisuellen Bereich – unterrichtet unter anderem an der Media Business School in Madrid, dem Institut National Audiovisuel in Paris und am Institut für Schauspiel, Film- und Fernsehberufe Berlin. An der Filmakademie Baden-Württemberg leitete sie vier Jahre das Studienprogramm „International Producing“. Spezialisiert auf die kreative Projektentwicklung und deren Vermarktung arbeitet sie mit Produzenten aus zahlreichen Ländern zusammen. Brüssel, Bukarest, London, St. Petersburg, Lateinamerika sind nur einige Stationen ihres Wirkens. Die Deutsch-Französin sieht sich als Medienexpertin, die im Auftrag der EU mit crossmedialen Strategien dafür sorgt, dass Filme ihr Publikum im Kino oder im Fernsehen finden. „Das ist allumfassend: vom Drehbuch bis zur künstlerischen Besetzung, von der Finanzierung bis zur Produktion, vom Vertrieb bis zum Verleih der Kinosäle, vom Internet bis zur Pressearbeit“, umreißt sie das große Spektrum. Filme, bei denen es darum geht, wie junge Leute mit dem Leben zurechtkommen, sieht sie selbst am liebsten. „Wenn moderne Themen der Gesellschaft wie Drogen, Krieg oder Arbeitslosigkeit in Bilder gefasst werden“, erklärt sie, „Ajami aus Israel zum Beispiel.“
Im Mai 2008 zog Renate Roginas mit ihrer Familie nach Berlin. Hier will sie gemeinsam mit ihrem Mann eine neue Lebensaufgabe verwirklichen. Ihre Villa Kult sieht sie noch in der Aufbauphase. Mit vier Aktivitätsebenen will sie langfristig Kreative für ihren internationalen Szenetreff begeistern. Doch aus der „ehemals erbärmlichen Ruine einer preußischen Offiziersvilla aus dem Jahr 1887“ ist mittlerweile ein kleines Schmuckstück geworden. Ehemann Nillo sorgt als französischer Chefkoch im Bistrot Kult für kulinarische Erlebnisse und Entdeckungen. Die Kult Residenz bietet Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten für kurze oder längere Aufenthalte. Kult Workshops & Konferenzen sollen der beruflichen und künstlerischen Weiterbildung dienen und mit Kult & Talent sollen junge Künstler gefördert werden. Hierfür kooperiert Renate Roginas beispielsweise mit einer Kunstgalerie. „Ich bin keine Einzelkämpferin“, betont sie und ist überzeugt, „dass durch den Aufbau von Synergien sehr viel Kraft freigesetzt wird.“ Teamgeist, Weitsichtigkeit und Offenheit bei der Kommunikation eigener Ambitionen hält sie für unerlässlich.
Richtig angekommen fühlt sie sich in Berlin aber noch nicht. „Dafür bin ich zu viel unterwegs“, sagt sie. Warum sie Paris nach 35 Jahren den Rücken gekehrt hat? „Paris ist eine sehr nervöse Stadt, dort darf man nicht altern“, begründet sie schmunzelnd. Ihre neue Lebensaufgabe, das Projekt der Villa Kult „hätte sie gern irgendwo in der Sonne gestemmt“. Das war leider nicht praktikabel. „Doch Berlin ist eine sehr inspirierende Stadt und das Licht ist auch schön“, tröstet sie sich. Renate Roginas beurteilt Orte nach ihren Lichtverhältnissen. „In Berlin gefällt mir der gläserne Himmel.“ Die Cosmopolitanerin fühlt sich für die Völkerverständigung verantwortlich, weil sie seit vielen Jahren im Auftrag europäischer Institutionen tätig ist: „Die Villa Kult Residenz gibt mir die Möglichkeit zum Mäzenat. Junge Filmemacher aus Rumänien, Mexiko und Brasilien konnten so in Berlin an ihren Projekten arbeiten. Talent Scouting ist sicherlich eine meiner Stärken.“ Was ihr wichtig ist im Leben? „Eine aufrichtige Dankbarkeit für jeden Tag, für das, was er gebracht hat und eine unbeirrbare Hoffnung für den nächsten Tag und für all das, was dieser Tag nicht gebracht hat“, sagt die Mutter dreier großer Kinder. Träume? Renate Roginas muss überlegen. „Vielleicht den Jackpot im Casino von Deauville oder in
Monaco einzukassieren. Ich wüsste schon, was ich damit anfange“, lacht sie.
Text: Dagmar Möbius
Renate Roginas
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