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Quereinstieg als Möbelhauschefin
Anita
Käppler führt seit zwölf Jahren erfolgreich ein Einrichtungshaus
Möbel zum Wohlfühlen sind ihr Geschäft und ihre Leidenschaft. Mit über 40 wurde sie Unternehmerin. Bereut hat sie ihre Entscheidung nie. Doch sie sagt: Selbständigkeit ist ein Privileg, das man achten muss.
Anita Käppler
Beinahe wäre sie Apothekerin geworden. Oder Lehrerin. Hätten sie nicht irgendwann die Griechisch- und Lateinstunden in der Oberschule gelangweilt. Ein höherer Bildungsweg war der Tochter einer Angestellten und eines Arbeiters nicht automatisch vorbestimmt. Wir waren sechs Kinder zu Hause, dass einer das Abitur macht, war damals ungewöhnlich, erinnert sich die Zweitälteste der Familie. Weil sie unbedingt in ihrer Heimatstadt Dresden studieren wollte, schrieb sie sich für
Betriebswirtschaft an der Technischen Universität ein, wo auch ihr Mann studierte. Zugeteilt wurde
ihr die Spezialisierung Holz/Papier
: Das konnte ich mir nicht aussuchen, aber heute bin ich froh, dass es so gelaufen ist.
Das Familienunternehmen heute: Varenia, Anita und Martin Käppler (v.re n. lks.)
Zwei Tage vorher schrieb ich noch eine Abschlussklausur in Philosophie, lacht die heute 54jährige. Mit Baby und ohne Sonderstudienplan schloss sie planmäßig nach vier Jahren als Diplom-Ingenieur-Ökonom ab. Meines Wissens war ich damals die einzige Studentin mit Kind, blickt sie zurück. Als langjährige Leichtathletin und Balletttänzerin war sie Ausdauer und Disziplin gewöhnt. Betriebspraktika und Diplomarbeit meisterte sie mit Organisationsgeschick und familiärer Hilfe. Die ersten beruflichen Schritte führten Anita Käppler in die Lederwarenbranche. Nach der Geburt des Sohnes arbeitete sie viele Jahre als Abteilungsleiterin für Finanzen und Preisbildung in einem Kombinat. Das wurde zur Wende 1989 abgewickelt. Neuorientierung war angesagt. Einrichten hat mich schon immer fasziniert, erzählt Anita Käppler. Als ein Kollege meines Mannes, der in der Möbelbranche arbeitet, ein Möbelhaus eröffnete, sprang ich ins kalte Wasser und fing bei ihm an zu arbeiten.
Anita (re.) und Varenia (lks.) Käppler stellen ihr Geschäftsmodell beim "Unternehmerinnenabend" in Dresden vor
Nebenbei absolvierte sie einen Innenarchitekturkurs im Fernstudium. Bald wechselte sie in ein größeres Einrichtungshaus. Eine gute Schule, lobt sie. Einen privaten Umzug verstand sie als Chance. Schon immer hatte sie davon geträumt, sich selbständig zu machen. Aber wie und als was? Der Zufall kam zu Hilfe. Als sie selbst für das Haus ihrer Familie Massivholzmöbel suchte und in der gesamten Region nicht fündig wurde, stand fest: Das ist eine Marktlücke, die ich füllen kann. Aber ihr war wichtig: Wenn man sich mit 40 selbständig macht, muss es etwas sein, das Bestand hat, von dem man sagen kann, das ist mein Leben. Objektsuche, Kredit- und andere Verhandlungen, Planung und Ausbau nahmen zwei Jahre Vorbereitungszeit in Anspruch. 1997 wurde eröffnet. Ich wollte mein Einrichtungshaus nicht mit Fremden betreiben, fügt sie hinzu und begründet: Als OHG haften wir mit dem gesamten Privatvermögen, da ist großes Vertrauen erforderlich. Tochter Varenia, inzwischen selbst Betriebswirtschaftsstudentin, baute ein Jahr das Einrichtungshaus Käppler als Partnerin mit auf. Sohn Martin, ursprünglich studierter Geograph und diplomierter Betriebswirt, stieg vor acht Jahren ebenfalls mit ein. Freiwillig. Das war ein echter Gewinn. Die Zusammenarbeit funktioniert gut, die Aufgaben sind klar verteilt. Acht Mitarbeiter verstärken das inhabergeführte Familienunternehmen, die meisten schon jahrelang . Unser Personal muss loyal und kreativ sein, eigenständig arbeiten und großes Fachwissen haben, denn unsere Kunden sind sehr anspruchsvoll, schätzt Anita Käppler ein.
Blick ins Einrichtungshaus
Mehrere, auch überregional bedeutende, Auszeichnungen wurden den Einrichtungsfachleuten aus
Pirna-Dohma zuteil. Für die Zeitschrift
Zuhause wohnen gehören Käpplers zu den 35 TOP-Möbelläden.
Doch ob sie den Mut für ihren Weg in der heutigen Wirtschaftssituation hätte? Sicher ist sie nicht. Was mich manchmal entsetzt, ist das drastisch zugenommene Rabattdenken, gibt sie zu. Sich mit individueller kompetenter Beratung gegen das Internet zu behaupten, sei nicht einfach. Trotzdem rät sie, ein einmal gesetztes Ziel nie aus den Augen zu verlieren und sich gegebenenfalls Hilfe von externen Fachberatern zu holen. Das Wichtigste ist jedoch, sich die Freude an der täglichen Arbeit zu bewahren, findet sie. Die hat sie. Auch wenn sie heute nicht mehr morgens die Erste und abends die Letzte ist – wie vor zwölf Jahren. Sie hat geklärt, wie lange sie das Haus führen wird. Verraten will sie das aber nicht. Dazu kommt sie zu gern zu ihren Möbeln zum Wohnfühlen, so der Slogan des Käppler'schen Einrichtungshauses. Text: Dagmar Möbius
Möbel zum Wohnfühlen
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