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Ein Unikum in der Chemie-Branche

Birgit Adam führt in dritter Generation einen traditionsreichen Familienbetrieb

Gold- und Silber-Spray, Flitter-Sprays, Trockenblumen-Spray, Duft-Spray, Sprühkleber oder Flammenschutz-Spray – es gibt nichts, was es bei der Union Chemie GmbH nicht gibt. Falls doch, wird so lange getüftelt, bis auch besondere Kundenwünsche erfüllt werden können. Auf sprühbaren schwarzen Schnee zum Beispiel muss ein Interessent künftig nicht mehr verzichten.

Birgit Adam

Birgit Adam

Firmenchefin Birgit Adam setzt das Erbe ihres Großvaters Günther Adam fort. Der Chemiker hatte 1948 begonnen, Pumpsprays herzustellen. Das von ihm gegründete Unternehmen Union Chemie GmbH war stets der Lebensmittelpunkt meines Großvaters, später meines Vaters und Onkels, berichtet die gebürtige Berlinerin. Schon als Kind spielte sie auf dem Hof und in den Lagerräumen des großväterlichen Aerosol-Betriebes. Dass sie hier einmal Hausherrin werden würde, stand jedoch nicht fest. Birgit Adam wollte ihr eigenes Ding machen und studierte Betriebswirtschaftslehre. Nach dem Studium arbeitete sie im Marketing und PR-Bereich bei Banken und in Werbeagenturen. Das interessierte mich sehr, aber ich merkte ziemlich schnell, dass eine Welt des schönen Scheins nicht meine ist, blickt sie zurück. Irgendwann selbständig zu sein, davon träumte die Diplom-Kauffrau unterschwellig immer.

Bei der Dosenabfüllung

Bei der Dosenabfüllung

Doch erst der Zufall half auf die Sprünge. Als der Onkel aus der Familienfirma ausstieg, bat sie ihr Vater kurzfristig als Aushilfe einzuspringen. Damals war Birgit Adam 27 Jahre alt. Die Idee dabei zu bleiben, musste erst wachsen, das war ein langer Prozess, sagt die heute 40jährige. Im Laufe der Jahre eignete sie sich chemisches Grundlagenwissen an, lernte alle Betriebsbereiche kennen und wuchs Stück für Stück in ihre neue Verantwortung hinein. 2004 übernahm sie den traditionsreichen Familienbetrieb und ist seither alleinige Geschäftsführerin.

Am Notschalter

Am "Notschalter"

Ihr Großvater gehört zu ihren Vorbildern: Er war auch nach heutigen Maßstäben eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit, fand eine langfristige zukunftssichere Planung immer wichtiger als ein schnelles risikobehaftetes Wachstum. Sie lobt seine Philosophie der kleinen Schritte, seine Ausdauer und sein Erfindungsgeist. Als Frau in einer männerdominierten Branche musste sie sich zunächst Respekt erarbeiten.

Ich bin so etwas wie ein Unikum, schmunzelt sie angesichts der wenigen Frauen in der Chemiebranche. Bahnt sie heute neue Geschäftskontakte an, spürt sie das gelegentlich noch. Doch sie sagt: Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.
 
Täglich zwischen 6.30 und 7 Uhr kommt Birgit Adam ins Unternehmen. Dann werden die Produktionspläne für die Tagesproduktion aufgestellt und es ist wichtig für mich, vor Ort zu sein, erzählt sie. Im Bedarfsfall kann sie selbst in den Fertigungsprozess eingreifen. Sieben feste Mitarbeiter stehen ihr zur Seite, in Spitzenzeiten kommen zwei bis drei Produktionshelfer hinzu. Einige arbeiteten schon für ihren Großvater.
Ein vertrauensvoller, offener Umgang bedeutet Birgit Adam viel: Nur so lassen sich bei den Mitarbeitern Entwicklungspotenziale mobilisieren.

Birgit Adam führt Unternehmerinnenabend-Mitglieder durchs Werk

Birgit Adam führt Unternehmerinnen.org-Mitglieder durchs Werk


Birgit Adam mit ihren beiden Kindern

Birgit Adam mit ihren beiden Kindern


Familienzeit

Familienzeit

Die strategische Planung ist bei Union Chemie in allen Bereichen stets Chefsache, betont die Enkelin des Firmengründers. Feste Bürozeiten wären dabei hinderlich. Nachmittags bis zum Schlafengehen ist Birgit Adam allerdings ausschließlich für ihre beiden Kinder da.

Ohne meinen Mann, der die Beiden jeden Morgen versorgt und auf den Weg zu Kita und Schule bringt, würde allerdings gar nichts klappen, würdigt sie. Die Familie ist ihr neben Gesundheit und Spaß an den Dingen, die sie tut, das Wichtigste im Leben. 

Für die Selbständigkeit unerlässlich sei ein gesunder Optimismus: Er hilft dabei, sich rasch auf neue Gegebenheiten einzustellen, wenn die Dinge nicht so laufen wie geplant.

Text: Dagmar Möbius
Fotos: Amin Akhtar (1.und 2. Bild), Birgit Adam (5. und 6. Bild), Ilona Orthwein (3. und 4. Bild) 

Portrait des Monats

Judit Landstoff
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