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GEGLÜCKTE MIGRATION

Judit Landstoff ist die Unternehmerinnen.org-Webdesignerin

Judit Landstoff
Judit Landstoff

Als Judit Landstoff einst erfuhr, wie Bücher entstehen, war ihre Liebe zur Druckkunst geweckt. Beruflich wollte sie unbedingt etwas Kreatives werden – und studierte Druckingenieurwesen. Bis 2001 arbeitete die gebürtige Budapesterin in Ungarn in ihrem Beruf und als DTP-Layouterin. Ganz zufrieden war sie damit nicht. Bis ihr die Idee kam, nach Deutschland zu gehen. Berlin war ihr Wunschziel. Doch bis dahin musste die heute 46-Jährige viele Hürden überwinden.

Sie spricht nicht gern über die schwierige Zeit ihres Anfangs in Halle an der Saale. Die alltägliche Bedeutung des Wortes „Teufelskreis“ muss ihr damals sehr schnell klar geworden sein. Ohne Wohnung keine Arbeit. Ohne Arbeit keine Wohnung. Ist sie fähig, ihren Job zu machen? Spricht sie wirklich flüssig deutsch, obwohl sie ihre Sprachprüfung nicht am Goethe-Institut absolvierte? Das Ausländeramt meinte, sie sei eine große Ausnahme: weder Studentin noch Frau eines deutschen Mannes. Judit Landstoff wollte ihr Glück allein in die Hand nehmen. „Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich meine sehr eingeschränkte Aufenthaltserlaubnis bekam“, erzählt sie. Das war allerdings noch keine Arbeitserlaubnis. „Weil ich alles selbst ausgraben musste, hat mir diese Prozedur reichlich Kenntnisse über Recht und Möglichkeiten gebracht“, lacht sie. Bankkonto, Krankenversicherung, Stellensuche, Handyvertrag. Eine Herausforderung nach der anderen. Dazu bürokratische Fragwürdigkeiten. Judit Landstoff beschwert sich nicht darüber. Sie kämpfte sich durch. „Ich habe Leute gefunden, die mir geholfen haben, vor allem mit Informationen oder bei Erledigungen, manchmal auch, um meine Klagen zu hören.“ Deutsche Freunde in Halle sind auch der Grund, warum es die Ungarin zunächst nach Sachsen-Anhalt verschlug. Nach drei Jahren schaffte sie dann den ersehnten Umzug nach Berlin. Eine Rückkehr nach Ungarn? Gedacht hat sie daran. Aber: „Es hätte keinen Sinn gehabt“, sagt sie und: „So leicht, wie manche denken, ist es nicht, in Deutschland zu bleiben. Budapest bleibt für immer meine Heimatstadt, aber zu Hause fühle ich mich in Berlin.“

Budapest
Beautiful Budapest

Seit 2004 arbeitet Judit Landstoff hier als Grafikerin, inzwischen ist sie selbständig. Ihr Firmenname Hermina P ist eine Reminiszenz an ihre Urgroßmutter. Hermina Print KG hieß auch die ungarische Firma ihrer Mutter, deren deutsche Niederlassung Judit Landstoff zunächst führte. Weil sie immer weniger für Print, dafür mehr für’s Web arbeitete, nannte sie ihre eigene Firma Hermina-P. Ein Fantasiename. „Typisch Frau - keine Logik, nur Gefühle“, schmunzelt sie.

Webdesign ist für Judit Landstoff eine Art Druckkunst mit anderen Mitteln. Sich zu Hause auf die Arbeit zu konzentrieren, sei nicht immer leicht. Kooperationen sind daher willkommen. Mit ihrem Programmierer arbeitet sie von Anfang an zusammen. „Wenn man die Arbeit teilen kann, dann geben alle ihre speziellen Fähigkeiten und im Endeffekt entsteht eine hochwertige Ware oder Dienstleistung“, ist sie überzeugt. Ob Himalaja-Expedition, mentales Gesundheitstraining, Personalvermittlung, Künstlerpräsentation oder internationale Kunden – Judit Landstoff findet für Jeden ein individuelles Design. Das Lob ihrer Auftraggeber empfindet sie als Auszeichnung. „ Selbständigkeit gibt Jemanden das Gefühl von Selbstschätzung, man fühlt sich niemals übrig“ – ein typischer Satz von Judit Landstoff. Sie schätzt Unternehmer, die etwas erreicht haben, ohne sich selbst zu verlieren. Sie sagt sogar: „Ich kann nur mit Leuten arbeiten, wenn ich etwas Gutes entstehen sehe.“

Beim Portal Unternehmerinnenabend.de, aus dem Unternehmerinnen.org  hervorging, war sie fasziniert davon, wie effizient sich persönliche Treffen durch zusätzliche Möglichkeiten des Internets auswirkten.

„Damals war die virtuelle Welt noch nicht so bedeutend wie heute, das Projekt hatte eine Vorreiterrolle in der bis dahin von Männern dominierten Welt des Web“, erinnert sich die Fachfrau. „ Die Potenziale des Portals zu entwickeln, finde ich beruflich und persönlich sehr aufregend.“ Seit 2007 ist sie dabei. „Immer freundlich, schnell und zuvorkommend löst sie sogar größere technische Probleme immer auf dem kurzen Dienstweg“, lobt unternehmerinnen.org-Projektleiterin Ilona Orthwein. Als Mikrounternehmerin, die vieles allein entscheiden muss, fühlt sich Judit Landstoff im Team wohl. „Es sind nicht nur die informativen Veranstaltungen, die mich weiterbringen, oft sind es die Gespräche danach oder auch die Aktivität über die Social-Media-Tools“, berichtet sie. Dabei muss es durchaus nicht immer um das Gewerbe gehen. „Man soll auch mal Spaß haben, oder?“, fragt sie und lächelt verschmitzt.

Mit Ilona Orthwein im Hatar Csarda
Mit Ilona Orthwein im Határ Csárda, in Ungarn

Pörkölt

Mit ihrer Arbeit unterstützt sie regelmäßig auch gemeinnützige Projekte wie ein Afrika-Projekt, die Ungarische Kolonie in Berlin oder die Oase Berlin. Migration ist ein Thema, für das sich Judit Landstoff dauerhaft engagiert. „Es ist auch in Deutschlands Interesse, dass die Ausländer hier gut integriert werden“, meint sie und fragt: „Lohnt es sich für Deutschland, wenn beispielsweise eine Physikerin als Putzfrau arbeitet?“ Sie lässt die Frage im Raum stehen.

Lieber spricht sie über ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Pfadfinderin. In jedem Frühjahr beteiligt sie sich an einem Ferienlager, in dem sich ungarische Kinder aus ganz Deutschland treffen und traditionelle ungarische Literatur, Volkslieder und Tänze kennenlernen. Auch am Pfadfinder-Jahrbuch wirkt sie mit. Und sie unterstützt Azvuk, eine Firma, die ungarische Musik und Darsteller nach Berlin bringt.

Deutsche und Ungarn können voneinander lernen, ist die Ungarin überzeugt. Das Umweltbewusstsein der Deutschen findet sie positiv und hofft, dass das auch international mehr Früchte trägt. Während die Ungarn mehr intuitiv sind, kalkulieren die Deutschen, hat sie beobachtet. Andererseits könnten die Deutschen etwas lockerer sein, wünscht sie sich. „Es ist viel einfacher, eine Bekanntschaft mit einem Migranten zu schließen, egal, ob Ungar oder nicht, als mit einem Deutschen.“

Mit Tochter Fanni
Mit Tochter Fanni

Doch Judit Landstoff ist eine optimistische und lebensfrohe Frau. Ihr Lebensmotto passt dazu:  „Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade daraus …und rufe nach Tequila!“

Um als Unternehmerin erfolgreich zu sein, hat sie drei Tipps: „Keine Kompromisse eingehen – zuerst geben, dann wirst du auch bekommen.“ Win-Win-Situation nennt sie das. Außerdem: „Marketing nicht vergessen und auf die gerade zu lösende Aufgabe fokussieren, um effektiv zu sein.“

Text: Dagmar Möbius

Judit Bertane Landstoff
Hermina-P
Handgemachte Webseiten von Mensch zu Mensch
13595 Berlin
Ulmenstr. 12
+49-30-330-266-59
www.hermina-p.de
Fotostream on Flickr

Fotos: Ilona Orthwein, sxc.hu

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