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Plant Häuser, Hotels und HeimePetra Ritsche ist freie Architektin und Bauingenieurin
Sie kennt fast jedes Haus im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.
Geboren ist Petra Ritsche in der Altmark. „In einem kleinen Dorf, das nicht mal hundert Einwohner hat und auf keiner Karte auftaucht“, lacht sie. Aufgewachsen ist sie in Stendal. Pharmazie oder Medizin schwebten ihr als Studienfach vor. Doch als es um ihre Berufswahl ging, wurde der Vater nach Berlin versetzt und ein neuer Plan musste her. „Ich hätte ein Jahr warten müssen oder mich für eine Lehre als Bauzeichner mit Abitur entscheiden können“, erinnert sie sich. Warten kam nicht in Frage und sie beschloss: „Dann mache ich eben das.“ Aber: „Das erste Lehrjahr war die Hölle.“ Bis ein „dufter Lehrausbilder“ kam, der Petra Ritsche für das Fach begeistern konnte: „Er machte mit uns Stadtrundgänge, ließ uns beispielsweise den Dom zeichnen.“ Als ihre Leistungen im zweiten und dritten Jahr deutlich besser wurden, kam der Gedanke an ein Architekturstudium auf. Weimar, Berlin, Dresden. “Bis zum Abschluss dauerte es noch Jahre. Einige Hindernisse und ungewollte Unterbrechungen
infolge politischer Umstände waren zu überwinden. Nicht über alle möchte Petra Ritsche heute in der
Öffentlichkeit sprechen. „Manches in der DDR wollen die Leute heute nicht mehr wahr haben“
kommentiert sie nur. Jung verheiratet studierte sie 23-jährig Bauingenieurwesen, befasste
sich mit Denkmalpflege, lernte kontinuierlich im Abend- bzw. Fernstudium und konnte ihr
Architekturstudium schließlich erfolgreich abschließen. Tagsüber arbeitete sie in
Baureparaturbetrieben, später im Kombinat Ausbaubau und Modernisierung. „Ohne Ehrgeiz wäre das
nichts geworden“, lacht sie. Weil sie sich auf Altbausanierung spezialisiert hatte, ist ihr fast
jedes Haus im Berliner Prenzlauer Berg vertraut. Stationen im Westen des Landes und in der
Landesentwicklungsgesellschaft folgten. Die Vorbereitung der Sanierung des brandenburgischen
Schlosses Genshagen wurde 1992 ihr Sprung in die Selbständigkeit. Die Aufträge nahmen permanent zu.
„In Reinickendorf haben wir ein Büro zeitweise mit 16 Leuten hochgepuscht“, erzählt die
Architektin. Fünf Jahre arbeitete Petra Ritsche in Partnerschaft mit ihrer Kollegin Hannelore
Ballok. Sie sieht sich als Auftragsarchitektin. Das bedeutet, immer in Vorleistung gehen zu müssen.
Als sich die ersten Anzeichen der Wirtschaftkrise abzeichneten, Investoren nicht zahlten oder
insolvent wurden, musste sie ihr Unternehmen zurückfahren. Ein Schritt, an den sie angesichts der
damals notwendigen Entlassungen ungern denkt.
Viel zu tun hat die zierliche Frau immer noch. Zwischen acht und 22 Uhr, oft auch an Wochenenden, arbeitet sie. Weil es ihr Spaß macht. Ein großes Büro am Kudamm als Renommé brauche sie nicht mehr. „Dadurch schaffe ich auch nicht mehr Aufträge“, sagt sie. Und: „Ich muss mir nichts mehr beweisen.“ Als Altbausaniererin ist sie nach wie vor gefragt. Momentan plant sie Altenpflegeheime und Hotels. „Und zwischendurch auch mal ein Einfamilienhäuschen“, lacht sie. Auch als Sachverständige für Baugutachten hat sie sich einen Namen gemacht. Eine Architektin, wie sie sich die meisten vorstellen, sei sie nicht. Eher der konstruktive Typ. „Ich muss vorher alles bis in Detail durchdenken.“ Hochtrabende Sachen seien nicht ihr Metier. „Dafür stehen meine Bauten alle noch und auch Glas oder Fassaden fallen nicht herunter.“ Sie meint, dass Architekten heute oft als „bessere Zeichner“ degradiert sind: „Alles muss günstig und wirtschaftlich sein, der Bauherr entscheidet, wie es am Ende aussieht.“ Die Umsetzung und das Einbringen eigener Ideen seien Herausforderungen, die ihr meist gut gelingen.
Dennoch habe man es als Frau im Architektenberuf schwerer als Männer. Man müsse mehr leisten und
besser sein. Auf den Baustellen hat es Petra Ritsche allerdings oft leichter: „Ich bin klein und
zierlich und
Wenn ihre Leistungen gewürdigt werden, freut sie sich. Die Presseartikel über die von ihr
sanierten 120 Wohnungen in Finsterwalde, über die Eröffnung des Vitanas-Pflegeheims in Bautzen oder
über das Hotel in Bad Belzig hat sie aufgehoben.
Dagmar Möbius Fotos: privat
Dipl.-Ing. Architektin Petra Ritsche
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