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Plant Häuser, Hotels und Heime

Petra Ritsche ist freie Architektin und Bauingenieurin

Sie kennt fast jedes Haus im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.
Doch die Architektin plant auch Pflegeheime und Hotels. Bundesweit.
„Und zwischendurch ein Häuschen“. Beweisen muss sie sich nichts mehr, sagt die 60-Jährige. Aber Petra Ritsche will noch mindestens zehn Jahre arbeiten. Weil sie Spaß daran hat. Und obwohl sie eigentlich Apothekerin oder Ärztin werden wollte.

Petra Ritsche
Petra Ritsche

Geboren ist Petra Ritsche in der Altmark. „In einem kleinen Dorf, das nicht mal hundert Einwohner hat und auf keiner Karte auftaucht“, lacht sie. Aufgewachsen ist sie in Stendal. Pharmazie oder Medizin schwebten ihr als Studienfach vor. Doch als es um ihre Berufswahl ging, wurde der Vater nach Berlin versetzt und ein neuer Plan musste her. „Ich hätte ein Jahr warten müssen oder mich für eine Lehre als Bauzeichner mit Abitur entscheiden können“, erinnert sie sich. Warten kam nicht in Frage und sie beschloss: „Dann mache ich eben das.“ Aber: „Das erste Lehrjahr war die Hölle.“ Bis ein „dufter Lehrausbilder“ kam, der Petra Ritsche für das Fach begeistern konnte: „Er machte mit uns Stadtrundgänge, ließ uns beispielsweise den Dom zeichnen.“ Als ihre Leistungen im zweiten und dritten Jahr deutlich besser wurden, kam der Gedanke an ein Architekturstudium auf. Weimar, Berlin, Dresden.

“Bis zum Abschluss dauerte es noch Jahre. Einige Hindernisse und ungewollte Unterbrechungen infolge politischer Umstände waren zu überwinden. Nicht über alle möchte Petra Ritsche heute in der Öffentlichkeit sprechen. „Manches in der DDR wollen die Leute heute nicht mehr wahr haben“ kommentiert sie nur.  Jung verheiratet studierte sie 23-jährig Bauingenieurwesen, befasste sich mit Denkmalpflege, lernte kontinuierlich im Abend- bzw. Fernstudium und konnte ihr Architekturstudium schließlich erfolgreich abschließen. Tagsüber arbeitete sie in Baureparaturbetrieben, später im Kombinat Ausbaubau und Modernisierung. „Ohne Ehrgeiz wäre das nichts geworden“, lacht sie. Weil sie sich auf Altbausanierung spezialisiert hatte, ist ihr fast jedes Haus im Berliner Prenzlauer Berg vertraut. Stationen im Westen des Landes und in der Landesentwicklungsgesellschaft folgten. Die Vorbereitung der Sanierung des brandenburgischen Schlosses Genshagen wurde 1992 ihr Sprung in die Selbständigkeit. Die Aufträge nahmen permanent zu. „In Reinickendorf haben wir ein Büro zeitweise mit 16 Leuten hochgepuscht“, erzählt die Architektin. Fünf Jahre arbeitete Petra Ritsche in Partnerschaft mit ihrer Kollegin Hannelore Ballok. Sie sieht sich als Auftragsarchitektin. Das bedeutet, immer in Vorleistung gehen zu müssen. Als sich die ersten Anzeichen der Wirtschaftkrise abzeichneten, Investoren nicht zahlten oder insolvent wurden, musste sie ihr Unternehmen zurückfahren. Ein Schritt, an den sie angesichts der damals notwendigen Entlassungen ungern denkt.
Seit 2000 führt sie ihr Büro allein und kooperiert für einzelne Projekte mit Kollegen: „Als Einzelarchitekt kann man kein 30-Millionen-Projekt stemmen.“

Eröffnung Pflegeheim Bautzen
Eröffnung Pflegeheim Bautzen

Viel zu tun hat die zierliche Frau immer noch. Zwischen acht und 22 Uhr, oft auch an Wochenenden, arbeitet sie. Weil es ihr Spaß macht. Ein großes Büro am Kudamm als Renommé brauche sie nicht mehr. „Dadurch schaffe ich auch nicht mehr Aufträge“, sagt sie. Und: „Ich muss mir nichts mehr beweisen.“

Als Altbausaniererin ist sie nach wie vor gefragt. Momentan plant sie Altenpflegeheime und Hotels. „Und zwischendurch auch mal ein Einfamilienhäuschen“, lacht sie. Auch als Sachverständige für Baugutachten hat sie sich einen Namen gemacht. Eine Architektin, wie sie sich die meisten vorstellen, sei sie nicht. Eher der konstruktive Typ. „Ich muss vorher alles bis in Detail durchdenken.“ Hochtrabende Sachen seien nicht ihr Metier. „Dafür stehen meine Bauten alle noch und auch Glas oder Fassaden fallen nicht herunter.“ Sie meint, dass Architekten heute oft als „bessere Zeichner“ degradiert sind: „Alles muss günstig und wirtschaftlich sein, der Bauherr entscheidet, wie es am Ende aussieht.“ Die Umsetzung und das Einbringen eigener Ideen seien Herausforderungen, die ihr meist gut gelingen.

Hotel Bad-Belzig
3D-Entwurf Hotel Bad-Belzig

Dennoch habe man es als Frau im Architektenberuf schwerer als Männer. Man müsse mehr leisten und besser sein. Auf den Baustellen hat es Petra Ritsche allerdings oft leichter: „Ich bin klein und zierlich und
habe mich manchmal einfach von den Bauarbeitern beraten lassen – dann kamen sie mit guten Ideen für die Ausführung herüber“, schmunzelt sie. Sie hat kein Problem, die Bauleute zu loben, wenn sie gut arbeiten oder ihr etwas zeigen. „Dafür kann ich auch damit umgehen, wenn sie mal herummotzen“, berlinert sie, „das kann nicht jeder.“

Wenn ihre Leistungen gewürdigt werden, freut sie sich. Die Presseartikel über die von ihr sanierten 120 Wohnungen in Finsterwalde, über die Eröffnung des Vitanas-Pflegeheims in Bautzen oder über das Hotel in Bad Belzig hat sie aufgehoben.
Einen Traum, den sie sich erfüllen möchte? „Ein ganz eigener ist das nicht“, lacht sie. „Ein Häuschen im Warmen, vielleicht auf Kreta, irgendwann“ sinniert sie. Doch bis dahin will sie noch zehn Jahre arbeiten. Ihr persönliches Lebensmotto ist logisch: „Nicht unterkriegen lassen!“.

Dagmar Möbius

Fotos: privat

Dipl.-Ing. Architektin Petra Ritsche
Eichenstraße 23
12623 Berlin
Telefon: 030-893 864-0
Fax: 030-893 864-12
Mobil: 0172-311 78 51
info@rai-architekten.de

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